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Freie Presse


Pflegestärkungsgesetz

Deutscher Verband der Leitungskräfte von Alten- und Behinderteneinrichtungen (DVLAB)

„Der DVLAB begrüßt ausdrücklich, dass durch das Pflegestärkungsgesetz zusätzliche Stellen im Rahmen des Einsatzes der Alltagsbetreuer nach § 87b geschaffen wurden.

Der Einsatz dieser Kräfte hat bundesweit, sowohl stationär als auch ambulant, zu einer Qualitätsverbesserung in der Betreuung der Bewohner, respektive Patienten geführt.

Die gesetzlichen Vorgaben für den Einsatz der Alltagsbetreuer sind eindeutig geregelt. Der DVLAB verurteilt daher den falschen / missbräuchlichen Einsatz der Alltagsbetreuer zu Pflegetätigkeiten und für hauswirtschaftliche Tätigkeiten, wenn sie klar in die Tätigkeitsprofile dieser originären Berufsgruppen gehören. Festzustellen ist in diesem Zusammenhang jedoch, dass die Trennung der Aufgabenbereiche zwischen den Berufsgruppen nicht immer so einfach ist.

Wenn ein Bewohner einen dringenden „Wunsch" hat, und eine Pflegekraft gerade nicht sofort zur Stelle sein kann, dann ist jeder Mitarbeiter in einer Einrichtung der Altenhilfe gehalten zu helfen, so auch ein Alltagsbetreuer. Was wir jedoch verurteilen, ist der regulär geplante Einsatz für solche, gesetzlich ausgeschlossene Tätigkeiten der Pflege und Hauswirtschaft. Wir möchten jedoch auch deutlich darauf hinweisen, dass der von uns begrüßte Einsatz der Alltagsbetreuer, das grundsätzliche Problem des Personalmangels nicht vollumfänglich löst. Wir haben es in den verschiedenen Bundesländern mit stark abweichenden Voraussetzungen für den Personaleinsatz zu tun. Das Dreiecks-Verhältnis Bewohner zu Pflegestufe zu Mitarbeitern divergiert in den verschiedenen Bundesländern sehr stark.

Es ist demnach für uns nicht nachvollziehbar, warum beispielsweise im Bundesland Bayern ein höherer Personaleinsatz möglich ist, als in den östlichen Bundesländern. Aber auch in den westlichen Bundesländern gibt es starke Abweichungen zwischen den in der Hoheit des jeweiligen Bundeslandes liegenden Regelungen. Hier ist unserer Auffassung nach der Gesetzgeber gefordert, einheitliche Regelungen zu schaffen und den durchschnittlichen Personaleinsatz deutlich zu erhöhen, um die Voraussetzungen dafür zu schaffen, den Aufgaben die dem Personal im Bereich der Pflege gestellt werden, gerecht werden zu können.

Grundsätzlich möchte der DVLAB an die Eigenverantwortung der Führungskräfte in den stationären, teilstationären Einrichtungen als auch ambulanten Diensten in Deutschland appellieren, die gesetzlichen Vorgaben, auch die von Ihnen hier angesprochenen zum Einsatz der Alltagsbetreuer nach § 87b SGB XI, einzuhalten! Einen Ruf nach einem mehr an Kontrolle und Überprüfung von außen lehnen wir ab, da dies nicht der richtige Weg sein wird, hier eine Veränderung zu erwirken. Dies zeigen unsere Erfahrungen der letzten Jahre. Er würde somit kaum eine nachhaltige Veränderung in diesem Sinne erbringen.

Gestatten Sie mir zum Thema Personal noch darauf hinzuweisen, das wir als DVLAB e.V. gemeinsam mit den Bündnispartnern im "Bündnis für Altenpflege“, seit über einem Jahr auf die anstehende klare Fehlentscheidung der Bundesregierung, zur Zusammenlegung der drei Ausbildungsberufe in der Pflege, kämpfen. Eine solche generalistische Pflegeausbildung würde das Ende der Altenhilfe in Deutschland bedeuten, wie wir sie heute kennen. (Landesvorsitzender des DVLAB Sachsen, Sebastian Thieswald)

Betreuungskräfte im Altenheim, ein Beitrag auf ZDF Wiso

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Landesverbandes der Leitungskräfte von Alten- und Behinderteneinrichtungen

In Senioren- und Pflegeheimen werden die geplanten Neuerungen der Pflegeversicherung „durchaus positiv“ bewertet. Das jedenfalls sagte der Vorsitzende des sächsischen Landesverbandes der Leitungskräfte von Alten- und Behinderteneinrichtungen, Sebastian Thieswald, gestern im Gespräch mit der „Freien Presse“.

Thieswald hat jahrelang selbst als Manager im Bereich der Altenhilfe gearbeitet. Er begrüßte vor allem, dass mehr Transparenz für die ambulant sowie stationär zu Pflegenden und ihre Angehörigen hergestellt werde. Künftig erhielten sie automatisch das Gutachten des Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK), auf dem die Eingruppierung in Pflegegruppen basiert. „Bislang war es so, dass Betroffene nur auf Antrag Einsicht in die Gutachten nehmen konnten. Entsprechend schwierig war es, eine Widerspruch zu formulieren“, sagte Thieswald.

Positiv sei zudem, dass sich die Blickrichtung bei der Pflege verändert habe. „Künftig soll im Vordergrund stehen, was eine Person noch verrichten kann. Derzeit orientiert sich Zahlung von Pflegegeld ausschließlich an den Dingen, die sie nicht mehr erledigen kann“, sagte Thieswald. Er sieht darin einen Paradigmenwechsel. Zunächst seien von dieser Neuorientierung die niederen Pflegestufen betroffen. Nach jetzigen Kalkulationen gibt es zwar für die jetzige Pflegestufe 1 – was künftig der Pflegegruppe II entspricht – rund 300 Euro weniger im Monat. Nicht wenige Menschen werden davon betroffen sein und vonseiten der Gewerkschaften regte sich diesbezüglich am Mittwoch bereits Widerstand. Thieswald kann diesem Trend allerdings zuvorderst Gutes abgewinnen. „Es war seit Jahren Ziel der Politik, in den Heimen vor allem Menschen mit großem Hilfsbedarf und entsprechend hohen Pflegestufen unterzubringen. Weniger hilfsbedürftige Menschen sollten so lange wie möglich im häuslichen Umfeld bleiben. Dafür schaffe das neue System mit den fünf Pflegegruppen Anreize – eben weil die Kassen weniger für die niedrigen Pflegegruppen eins und zwei zahlen. „Die Angehörigen daheim werden wieder mehr gefragt sein“, sagte Thieswald. „Wir müssen wieder zu einem normalen Familienverständnis zurückfinden, auch was die Pflege betrifft.“

Thieswald ist sich bewusst, dass es dazu auch gegenteilige Auffassungen gibt. So hatte etwa die gesundheitspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Die Linke, Pia Zimmermann, am Mittwoch kritisiert, dass „Pflege oft eine Familienangelegenheit“ bleibt. Thieswald kann daran allerdings überhaupt nichts Schlechtes finden. Er meint stattdessen, dass es „Zeit ist, Familien wieder stärker mit in die Pflege einzubinden, vor allem dann, wenn sich ältere Menschen in einem Zustand befinden, in dem sie vieles noch selbst tun können. Wir müssten uns von unserer völlig falschen Blickrichtung verabschieden, dass die Pflegeversicherung einer Vollkaskoversicherung gleicht, bei der die Solidargemeinschaft für alle möglichen Leistungen in Anspruch genommen wird.“ Die Versicherung werde nun wieder dafür ausgelegt, sich auf wirkliche Pflegeleistungen zu konzentrieren.

Die Veränderung der Pflegestruktur könne nicht zuletzt dahin führen, dass der bürokratische Aufwand gesenkt wird. Pfleger könnten damit mehr Zeit für die Betreuung alter Menschen haben. Allerdings kann auch Thieswald nicht übersehen, dass das Pflegestärkungsgesetz ein wesentliches Problem nicht löst: Es bleibt die Frage unbeantwortet, woher mehr geschulte, gut ausgebildete Pflegerinnen und Pfleger kommen sollen. Zwar ermögliche der neue Leistungsschlüssel, dass theoretisch mehr Pflegekräfte eingestellt werden können. Allerdings sind diese derzeit nicht vorhanden. „Schon jetzt sind manche Heime nicht voll belegt. Nicht, weil sie keine Anfragen von Pflegebedürftigen hätten, sondern, weil ihnen Personal fehlt“, erläuterte Thieswald.

Nachtrag zum Presseartikel.pdf [136,2 KiB]